Polen und seine Nachbarn
Dichtes Programm bei der zweiten Interdisziplinären Sommerschule des Deutschen Polen-Instituts
„Polen und seine Nachbarn“ hieß das Thema der diesjährigen Sommerschule des Deutschen Polen-Instituts, deren Ziel es ist, junge Menschen in einer interdisziplinären Atmosphäre zusammenzubringen, ihnen aktuelles Wissen über Polen zu vermitteln und Polenforschung weiter zu vernetzen. 19 Promovierende sowie fortgeschrittene Studierende aus Polen, Deutschland und der Ukraine erlebten ein dichtes Programm aus Wissenschaft und Praxis, Kultur und Exkursionen.
Die Sommerschule begann, wie schon im letzten Jahr, mit drei Tagen in Darmstadt. Hier bestand neben zwei Seminartagen mit der Historikerin Prof. Dr. Claudia Kraft (Erfurt) und dem Geographen Prof. Dr. Tomasz Komornicki (Warschau) die Gelegenheit zur Bibliotheksarbeit im DPI. Bei einem öffentlichen Abendvortrag präsentierte Dr. Gregor Thum (Freiburg/Br.) seine Sicht auf die deutsch-polnische Grenze, die er unter dem Begriff der „Frontier“ als in steter Veränderung begriffenen Grenzraum versteht.
Am vierten Tag ging es mit dem Bus in Richtung Osten, mit einer Station in Dresden. Hier standen Gespräche in der Sächsischen Staatskanzlei auf dem Programm, unter anderem mit Abteilungsleiter Ulrich Beyer, anschießend führte Prof. Dr. Christian Prunitsch (Dresden) auf polnischen Spuren durch die Landeshauptstadt und demonstrierte, wie wenig im Stadtbild eigentlich an die viele Jahrzehnte währende sächsisch-polnische Union erinnert. Um viele Eindrücke reicher kam die Gruppe spätabends schließlich in Görlitz an.
Die Stadt und ihre ganz besondere Nachbarschaftslage zu erkunden war Thema des ersten Tags in der Neißestadt. Führungen durch die prächtige Altstadt und das hervorragend gestaltete Schlesische Museum, Diskussionen mit Vertretern von Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus Görlitz und Zgorzelec sowie ein Besuch im jungen Lausitzer Museum auf polnischer Seite gaben Einblicke in die Chancen und Schwierigkeiten des Zusammenwachsens und des gemeinsamen Handelns der beiden ungleichen Schwesterstädte. Am Nachmittag ging es zum Muskauer Park, der, sich von Deutschland nach Polen erstreckend, ein gelungenes Beispiel für funktionierende Nachbarschaft ist.
Der Aufenthalt in Görlitz hatte jedoch auch seine wissenschaftlichen Aspekte. An zwei Seminartagen im Schloss Klingewalde, dem Sitz des Instituts für kulturelle Infrastruktur Sachsen, ließen sich die Teilnehmer von Prof. Dr. Wolfgang Schlott (Bremen) über kulturelle und Dr. Stefan Garsztecki (Bremen) über politische Aspekte der polnischen Nachbarschaftsbeziehungen unterrichten. Wie auch in Darmstadt präsentierten an diesen Tagen die Teilnehmer ihre eigenen Forschungsprojekte und stellten sich der oft sehr lebhaften Diskussion. Ein abendlicher Ausflug in das kurz hinter Zgorzelec gelegene Kunstschloss WaJu der Künstlerin Wanda Dück sowie eine Ganztagesexkursion nach Breslau mit zahlreichen Führungen und Gesprächen rundeten die zweite interdisziplinäre Sommerschule des DPI ab. Am Ende waren die 19 jungen Frauen und Männer zwar erschöpft, aber auch um viele Eindrücke reicher.
Die Sommerschule wurde finanziert von der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie von der Deutschen Bank AG; sie profitierte von der perfekten organisatorischen Zusammenarbeit mit dem Görlitzer Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen.