4. bis 13. September 2009 - Bericht
von der Sommerschule
Referenten: Prof. Dr. Tomasz Komornicki, Prof. Dr. Claudia Kraft, Dr.
Stefan Garsztecki, Prof. Dr. Wolfgang Schlott, Dr. Gregor Thum
Seit Polen im November 1918 die Unabhängigkeit wiedergewann, war es
durch die dauernde Veränderung äußerer Umstände gezwungen, seinen Platz
in Europa immer wieder neu zu bestimmen. Die vielfach komplexen
Nachbarschaftsverhältnisse prägen die polnische Politik bis heute. Sie
wirkten und wirken sich auf die Gesellschaft, die Kultur und die
Kulturlandschaft, auf Wirtschaft und Kommunikationsströme aus.
Die zweite Interdisziplinäre Sommerschule des Deutschen
Polen-Instituts widmet sich der vielschichtigen Geschichte und Gegenwart
der Beziehungen Polens zu seinen zahlreichen Nachbarn. 20 junge
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der unterschiedlichsten
Disziplinen sollen die Möglichkeit haben, gemeinsam mit ausgewiesenen
Fachleuten in einer offenen Atmosphäre voneinander zu lernen und
miteinander zu diskutieren. Die Sommerschule beginnt in Darmstadt. Eine
Reise nach Görlitz führt direkt in Polens Nachbarschaft.
In Görlitz stehen unter anderem Gespräche und Exkursionen (auch nach
Polen) auf dem Programm. Eingeladen sind Nachwuchswissenschaftlerinnen
und -wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen (fortgeschrittene
Studierende, Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs), die sich vom
Thema „Polen und seine Nachbarn, 1919 bis 2009“ angesprochen fühlen.
Voraussetzung zur Teilnahme ist die Arbeit an einem wissenschaftlichen
Projekt, das in einem Zusammenhang zum Thema der Sommerschule steht und
an einem der Thementage vorgestellt werden soll (halbstündiger Vortrag
und Diskussion).
Wir erheben einen Teilnehmerbeitrag von 150 Euro (Teilnehmer aus
Ostmitteleuropa 75 Euro). Das Deutsche Polen-Institut übernimmt die
Kosten für Übernachtung (Einzel- bzw. Doppelzimmer), An- und Abreise,
für den Transfer nach Görlitz, Exkursionen und Abendveranstaltungen. Die
Verpflegungskosten werden teilweise übernommen.
Bilder von der letzten Sommerschule
Bewerbung bis zum 30. Juni
2009 an mack@dpi-da.de
Zeitplan:
Fr., 4.9. Anreise nach Darmstadt
Sa., 5.9. Thementag 1: Geschichte bis 1989 (Prof. Dr. Claudia
Kraft) + 5 Projektpräsentationen
Jonas Grygier: Deutsche Minderheiten in der 2. Rzeczpospolita
Polska – ihre Beziehung zum Staat und ihr Alltag
Christhardt Henschel: Vom kollektiven Gedächtnisort zur nationalen
Institution. Juden, Polen und die polnischen Streitkräfte 1918–1939
Anna Kostrzewa: Vertreibung der Deutschen aus Ermland und Masuren
in den Jahren 1945-1948
Ma³gorzata Zajonz: Die Beziehungen zwischen Polen und der
Bundesrepublik Deutschland in den 70-er Jahren. Die Ostpolitik von Willy
Brandt
So., 6.9. Stadtrundgang, Bibliotheksarbeit, Filme
Mo., 7.9. Thementag 2: Geographie (Prof. Dr. Tomasz Komornicki)
+ 3 Projektpräsentationen.
Yaman Kouli: Der Wert des Wissens. Zur wirtschaftlichen
Entwicklung Niederschlesiens 1936-1956
Erik Schiller: Der Bau der Nord Stream Pipeline und die
Auswirkungen auf Polen und das deutsch-polnische Verhältnis
Oleksandr
Svyetlov: Europe - solving conflicts of the past. Polish-Ukrainian
relations and the war in the war
Abendvortrag: Dr. Gregor Thum: Freiburg im
Breisgau
Der Mythos von der deutschen Frontier und der Konflikt mit den Polen. Vortragssaal
im Haus der Geschichte, Karolinenplatz 3 (Hessisches Staatsarchiv
Darmstadt)
Di., 8.9. Fahrt nach Görlitz, unterwegs Dresden:
Führung durch die Sächsische Staatskanzlei,
Empfang durch den sächsischen Ministerpräsidenten, Stanislaw
Tillich.
Stadtführung: Das polnische Dresden mit Prof. Dr. Christian
Prunitsch (TU Dresden).
Mi., 9.9. Görlitz: Führung durch das Schlesische Museum (Maximilian
Eiden), Stadtrundgang, Gespräche, Besuch des Parks in Bad Muskau
Do., 10.9. Thementag 3: Kultur (Prof. Dr. Wolfgang Schlott)
+ 5 Projektpräsentationen
Ma³gorzata
Bogaczyk-Vormayer: Der Dialog und das Grenzland
Sebastian Borchers: Polnische Klangästhetik . Zu den
transnationalen Wechselbeziehungen zwischen Polen und Deutschland in der
Neuen Musik seit Mitte der 1950er Jahre
Georg Brabandt: Das Motiv der Heimatlosigkeit in der Literatur
deutschschreibender Autoren mit polnischen Migrationshintergrund
Ewa Podsiedlik: Polen in der literarischen Widerspiegelung seines
Nachbarn Deutschland. 1919 bis 2009
Christoph Treder:
Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten
Weltkrieg aus den ehemaligen ostdeutschen Gebieten im polnischen Diskurs
in den 1990er Jahren
Fr., 11.9. Exkursion nach Breslau. Besusch des Willy-Brandt-Zentrums
(Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz), Besuch der Ausstellung 1000 Jahre
Breslau, Stadtführung mit Dr. Andrzej Dêbski + 2 Projektpräsentationen
Kerstin Hinrichsen: Geschichtspolitik und lokale Identität in
Breslau nach 1989
Renata Choinka: Von der Jahrhunderthalle über die Hala Ludowa zur
Hala Stulecia
Sa., 12.9. Thementag 4: Politik (Dr. Stefan Garsztecki)
+ 5 Projektpräsentationen
Anna Górska-Guesmi: Polen angesichts der Entwicklungen bei seinen
westlichen und östlichen Nachbarn- Deutschland, Russland und Ukraine
Karoline Pietrzik: Auf der Suche nach Heimat?
Generationsspezifische Identitätsmuster im ostmitteleuropäischen Raum
der Gegenwart am Beispiel der polnisch-ukrainischen Beziehungen
Magdalena Gebala: Gefangen im eigenen Mythos? Zur Konstruktion
kollektiver Identität in Mittel- und Osteuropa am Beispiel Polens.
Grundlagen für eine neue Praxis der internationalen Austauschpädagogik.
Agnieszka Polonczyk: Der Werdegang und der Einfluss von
Stereotypen in den deutsch-polnischen Beziehungen und das wechselseitige
Bild in der satirischen Presse
Peter Römer: Wie wird durch die Geschichtspolitik der PiS ein
Opfermythos instrumentalisiert? Der von der PiS propagierte
"Patriotismus der Niederlage" als Waffe gegen Gegner
So., 13.9. Gemeinsames Frühstück, Abreise
Die Sommerschule wird gefördert von der ZEIT-Stiftung Ebelin
und Gerd Bucerius und der Deutschen Bank AG.